Samstag, 14. September 2013

Rumänien, Verschwörungstheoretiker und Gedanken

Straßenhund in Woronesch (Russland)
Die rumänische Straßenhunde haben es zu erstaunlicher Berühmtheit geschafft. Sich über drei Tage auf der Startseite von Spiegel-Online zu halten, das war nicht einmal dem am Donnerstag verstorbenen Otto Sander vergönnt. Das Interessante daran ist - es geht bei dieser Art der Berichterstattung eigentlich gar nicht mehr um die Hunde.

Was die Angelegenheit für die Medien interessant macht, ist die Tatsache, dass sich um den Tod des Jungen, der laut offizieller Seite von Straßenhunden angegriffen und gebissen worden ist, plötzlich Verschwörungstheorien ranken. Begriffe wie "Pädophiler" und "dürstere politische Figur" bieten genug Stoff für Seite-Eins-Geschichten.
Abgesehen davon sind solche Berichte natürlich ein willkommmes Fressen für Tierschützer, die das Töten von Straßenhunden grundsätzlich verurteilen und in der Darstellung - Hunde töten Jungen - einen geschickten Propagandazug der Hundehasser sehen. Damit fallen sie allerdings auf einen weiteren Medientrick herein. Themen, die polarisieren, sind wie geschaffen für Stories. Egal ob Impfung, Homöopathie, Hunde oder das Rauchen - alles wo es mindestens zwei Lager gibt, ist wie gemacht für Online Berichterstattung, weil durch die Kommentarfunktion ordentlich Bewegung auf die Seite kommt, was die Werbeeinnahmen hochtreibt.
Aber abgesehen davon: Viele von denen, die nun wütend auf Rumänien und alle Menschen sind, die die Tötung von Straßenhunden befürworten, waren niemals in dort. Sie haben nicht wirklich eine Vorstellung davon, wie es vor Ort zugeht. Sie sehen nur die Bilder auf Facebook oder in anderen Foren, auf denen traurige Hundeaugen in die Kamera schauen. Lesen herzzerreißende Aufrufe, in denen an das Mitgefühl appelliert wird und man nach Pflegestellen für gequälte und gepeinigte Vierbeiner sucht. Aber - und das muss man auch mal sagen - auch das ist ein teils fragwürdiges Geschäft. Wissen Sie, ob die Bilder aus Rumänien stammen? Wissen Sie, ob der Hund der übel zugerichtet ist, wirklich in einer Tötungsstation haust? Nein, Sie wissen es nicht, es sei denn, Sie haben verlässliche Quellen vor Ort. Im Fall von Rumänien sagte der Tierschutzverein, der vor Ort in Rumänien arbeitet der Presse, dass Massentötungen von Hunden nicht stattfinden. Andere Quellen verweisen sehr wohl auf geplante Tötungen.

Wo also liegt die Wahrheit?

Ich glaube grundsätzlich - und jetzt gehe auch von den Hunden weg - das diese Debatte ein gutes Beispiel dafür ist, wie sehr wir manipulierbar sind. Wie Meinungen, Bilder, Annahmen entstehen. Ich zum Beispiel habe, nachdem ich einen "Straßenhund" aus Mallorca  über das Internet kennengelernt und dann aufgenommen habe, auch immer geglaubt, dass auf Mallorca an jeder Ecke freilaufende Hunde zu treffen sind, die eingefangen werden und dann elend verrecken, wenn sie nicht vermittelt werden. Weit gefehlt. Als ich im Frühjahr dort war, ist mir nicht ein einziger freilaufender Hund begegnet und ich war viel unterwegs auf der Insel. Habe unter anderem auch das Tierheim besucht, aus dem mein Hund stammt. Wieder daheim habe ich mir einmal die Mühe gemacht zu recherchieren, wie viele Vereine, Organisationen etc. sich um Straßenhunde aus Mallorca kümmern und sie vermitteln. Die Zahl deckt sich in etwa mit der Aussage eines Tierpflegers aus dem Tierheim, der sagte: "Es gibt auf Mallorca mittlerweile mehr Tierschützer als Hunde."
Also ich denke, man sollte vorsichtig sein. Mit dem, was in der Zeitung oder auf Online-Portalen steht und mit dem, was einem über soziale Kanäle vermittelt wird. Nichtsdestotrotz sollten wir uns grundsätzlich über unser Verhältnis zu Tieren Gedanken machen. Wie können wir zulassen, dass bei uns in Deutschland und anderswo Rinder, Kälber, Hühner, Puten in Massentierhaltung qualvoll dahin vegetieren und gleichzeitig Milliarden in Katzen, Hunde und Kleintiere investieren und unsere Tierliebe noch weit über unsere Landesgrenze ausbreiten? Das ist es wert überdacht zu werden. Ich bin überhaupt kein Befürworter der Tötung von Straßenhunden und trotzdem denke ich, dass es Angelegenheit der rumänischen Regierung ist. Die haben nämlich versäumt, nachhaltige Programme auf den Weg zu bringen, die die Vermehrung der freilaufenden Hunde rechtzeitig verhindert hätten.Ansätze dazu gab es bereits vor etlichen Jahren.
Wie denkst Du darüber?

Kommentare:

  1. Tatsachen: Rumänien kassiert schon seit Jahren Gelder aus Brüssel, die zweckgebunden sind für Kastrationsprogramme, aber zweckentfremdet werden. Zweitens: das Problem ist menschengemacht. Bevor Ceausescu (der blutigste Diktator des ganzen Ostblocks, man erinnert sich sicherlich auch noch an die Bilder aus rumänischen "Kinderheimen" nach dessen Sturz) die Dörfer plattmachte und die Menschen zwangsumsiedelte in Plattenbauten, konnten sie ihre Hunde halten und es gab kein Problem mit Massen von "Straßentieren". Danach konnten sie es nicht mehr und setzten die Tiere aus - diese sind der "Grundstock" für die heutigen Streuner, was auch erklärt, weshalb man darunter immer wieder Tiere sieht, die sich einer Hunderasse mehr oder weniger zuordnen lassen.

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  2. Den rumænske tolkning bliver meget lettere at lære ved hjælp af den yngre generation Rumænien, som er i stand til at forstå og tale engelsk. At lære af dem og forstå de forskellige påvirkninger til rådighed, at ændringer og omformer det rumænske sprog vil hjælpe dig med at fremskynde din evne til at lære sproget.

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