Sonntag, 14. Juli 2013

Die Möpse sind los

So wie Moden Schleifen ziehen und die Schlabberhose oder die Plateauschuhe von einst plötzlich wieder en vogue sind, so unterliegen die Trends in der Hundehaltung auch gewissen Wiederholungszwängen. Plötzlich tauchen fast vergessene Rassen aus der Versenkung auf und erobern zusehends das Stadtbild. Das an sich wäre nicht schlimm - gäbe es da nicht den Mops,


der nahezu invasionsartig, nachdem er lange Zeit nur vereinzelt kurzbeinig, kurzatmig und zum Altjungfernhund abgestempelt über das Trottoir dackelte, nun von der High Society oder von denen, die gern dazugehören würden, als modisches Accessoire wiederentdeckt wurde. Leider gibt man sich selten mit einem Tier zufrieden, das dann in der Handtasche getragen wird, weil es nicht weiter als drei Querstraßen laufen kann. Nein, die Zweier- oder Dreiervariante ist beliebter denn je - der Mops als röchelndes Symbol des Überflusses und der Dekadenz.
Es war Loriot, der ein Leben ohne Mops als sinnlos deklarierte und es scheint, als ob das Volk postum diesem sonst so schlauen Mann beipflichten will. Obwohl ich ehrlich gesagt nicht weiß, ob gut betuchte Russen, durchtrainierte - wahlweise Arschgeweih- oder Goldkettchenträger oder junge neureiche Mädchen, die mit dem von Papa gesponserten Mercedes Cabrio vorfahren, in der zweiten Reihe parken und dann ihre Möpse bis zum nächsten Designershop ausführen, Loriot kennen.
Doch es ist ja nicht nur die selbsternannte Upperclass, die den Mops für sich beansprucht. Der Trend schleicht sich durch alle Schichten. Der Verein "Berliner Möpse" erhebt den Mops sogar zur Weltanschauung und behauptet, dass 98 von 100 Menschen beim Anblick eines Mopses sofort beglückt lächeln würden, während die restlichen zwei schlichtweg gefühllos sind.
In Ordnung, dazu stehe ich! Und ich nehme auch in Kauf, dass ich mit diesem Eintrag einen shitstorm der Mopsliebhaber auf mich ziehe. Aber ehrlich, der Mops ist weder ein Wachhund, noch ein Hütehund, noch kann er Schlitten ziehen oder Frisbeescheiben fangen. Er ist ein sabbernder Schoßhund, ein Motiv, eine Witzfigur, ein Freak und dazu hat ihn der Mensch gemacht.
Ich gehe aus der Haustür und höre schon nach den ersten Schritten ein seltsames Schnaufen hinter mir. Es klingt wie das lautstarke Ringen eines Kettenrauchers um Atemluft  und ein bisschen auch als hätte sich Wasser in der Luftröhre festgesetzt. Ich drehe mich um, weil ich denke, Darth Vader steht hinter mir und entdecke...einen Mops. Boah ist der hässlich, denke ich. Und weil man das weder von einem Hund noch von einem kleinen Kind denken sollte, schiebe ich gedanklich ein: "Armer Kerl!" hinterher, denn schließlich kann der Mops ja nichts dafür, dass er so aussieht und dass fragwürdige Züchter ihn derart zurecht mendeln, dass ihm die Luft wegbleibt, dass die Augen hervorstehen und tränen und der Kopf viel zu groß geraten ist. Ich schaue nochmal, aber ich sehe nichts Niedliches, nichts Schönes, nichts Anmutiges oder etwas, dass in mir die Liebe zum Mops erwecken könnte. Meinem Hund geht es da ähnlich. Er fällt jeden Mops sofort an und bestätigt mir damit ein Naturgesetz. Der Mops überlebt nur aus einem Grund und dieser Grund hat zwei Beine, einen Kopf und offensichtlich genug Geld um sich die Haltung eines Mopses zu erlauben. Wie ein bunter Wellensittich, der in Europa frei fliegend keine zwei Tage überleben würde, weil ihn die anderen Vögel töten würden, so hätte der Mops in freier Wildbahn keine Chance. Er würde mopsfidel Opfer der Natur werden, denn man braucht ihn nicht. Er ist degeneriert. Ich kenne keinen einzigen Mops, der nicht auf ständige Tierarztbesuche und Medikamente angewiesen ist. Aber das scheint die Mopsliebhaber nicht zu stören. Von Kindchenschema ist die Rede, von Treue, von Loyalität, davon, wie schlau doch der Mops ist. Und noch während Mann oder Frau das von ihm sagt, ziehen sie ihm einen Pullover über, richten das Schmuckhalsband und zuppelt an der mit Strasssteinchen besetzten Leine.
Für mich ist der Mops kein Hund, sondern ein Objekt, das zum Missbrauch freigegeben ist, weil es sich nicht wehren kann. Und darum halte ich es in dem Fall nicht mit Loriot sondern lieber mit Wilhelm Busch, der über die seltsame Verbindung von Mops und Weib einst sagte:
"Sie füttert ihn, so viel er mag,
mit Zuckerbrot, den ganzen Tag.
Und nachts liegt er sogar im Bett,
da wird er freilich dick und fett."
Und dann hoffe ich einfach, dass die Mopsmanie mit Mopsgeschwindigkeit wieder abtaucht und warte gespannt, welcher Hund als nächster in den Ring steigen muss, um als Statussymbol, Imageaufpolierer oder schmückendes Beiwerk herzuhalten.




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